Presse

„Das ist es“

13. April 2026

Wie es der 19-jährige Angelo Zanon in nur zwei Jahren zum Tastentalent gebracht hat.

Am Anfang war der Sturm. Entfacht auf dem Olymp musischer Eingebung. Entsandt vom Jupiter sinfonischer Allmacht und pianistischer Seelentiefe: Ludwig van Beethoven. Sturmsonate op. 31/2 Allegretto. Dazu als klassikferner Abweichler: Der maritim verwegene Soundtrack aus „Fluch der Karibik“. Der Leipheimer Angelo Zanon, 19 Jahre alt, stellte sich bei der „Gala junger Talente“ im Rahmen der Leipheimer Tastentage (GZ berichtete) dem Publikum. Und er begeisterte: Galoppierte mit Verve durch das Gleichmaß angehäufter Sechzehntel und ließ sein jünglinghaftes Draufgängertum in praller Klangfülle baden. Der Moderator verkündete es sichtlich beeindruckt, der Jungtastenlöwe hat gerade mal etwas über zwei Jahre Klavierunterricht. Oha! Das klingt spannend. Wie geht denn so etwas?

Originalartikel: https://www.augsburger-allgemeine.de/guenzburg/Kissendorf-Leipheim-Das-ist-es-id36137972.html

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Alla Gonchar: Musik als pure Freude und Bereicherung – Ein Porträt einer leidenschaftlichen Klavierpädagogin

13. April 2026

Ein Interview von Evgeny Kudryats


Die Begegnung mit einer außergewöhnlichen Lehrerin

Vor einem Konzert ihrer Schülerinnen und Schüler lernte ich die Klavierpädagogin Alla Gonchar kennen. Schon nach dem ersten Gespräch war klar: Hier steht nicht nur eine Expertin ihres Fachs, sondern eine Person, die mit echter Begeisterung für die Musik anstecken kann. Ihre Kindheit verbrachte sie in Sibirien, ihre Jugend in der Ukraine. Nach dem Konzert trafen wir uns erneut – und ich wurde erneut davon überzeugt, dass pädagogisches Talent ein seltener und wertvoller Geschenk ist. Alla Gonchar besitzt es in besonderem Maße. Ihre Schülerinnen und Schüler üben mit Leidenschaft und Hingabe am Klavier, und sie sind die beste „Visitenkarte“ einer Lehrerin, deren Arbeit Früchte trägt.


Vom Energiebündel zur Pianistin: Allas Weg zur Musik

„Hast du als Kind davon geträumt, Musikerin zu werden, oder war das Klavierspiel eine Pflichtübung?“, frage ich sie.

Alla lacht: „Ich war als Kind voller Energie. Als ich später die Biografie der Pianistin Hélène Grimaud las, fand ich viele Parallelen. Zunächst schickten mich meine Eltern zum Sport, zur Akrobatik. Eines Tages, als ich zu Hause auf dem Kopf stand, kam eine Nachbarin vorbei, die an einer Musikschule unterrichtete. Sie sagte zu meiner Mutter, ich sei hyperaktiv und man müsse etwas tun – und schlug vor, mich an der Musikschule anzumelden.“

Der Vorschlag erwies sich als Glücksgriff: „Es war genau das Richtige für mich. Mir war oft langweilig, zum Beispiel beim Spielen mit Puppen. Stattdessen las ich viel, klassische Welt- und russische Literatur. Michail Bulgakows Der Meister und Margarita habe ich mit elf Jahren gelesen – ich blieb sogar zwei Tage der Schule fern, bis ich das Buch ‚verschlungen‘ hatte.“


Der Schlüssel zur Leidenschaft: Die Rolle der Lehrerpersönlichkeit

Auf die Frage, ob die Anfänge mit Notenlehre nicht langweilig gewesen seien, antwortet Alla mit einem Blick auf die pädagogische Forschung: „Ich unterrichte am Leopold-Mozart-Zentrum in Augsburg und interessiere mich für die Wissenschaft rund um mein Fach. Vor Kurzem wurde eine langjährige Studie abgeschlossen, die der neuseeländische Pädagogikprofessor John Hattie leitete. Die zentrale Frage war: Was ist das Geheimnis erfolgreichen Unterrichts? Die Antwort lautet: Vor allem die Persönlichkeit der Lehrkraft.“

Hier hatte Alla Glück: „Meine erste Klavierlehrerin war eine junge Lehrerin aus Moskau, Natalja Wassiljewna Grischtschenko. Ihr bin ich unendlich dankbar, denn sie schenkte mir die Liebe zur Musik. Mit ihr war es unglaublich spannend; bei Klassenversammlungen spielte sie uns Werke von Chopin und Rachmaninow vor, und wir lebten und brannten für diese Musik!“

Als die Lehrerin nach drei Jahren nach Moskau zurückkehrte, war das für die junge Alla eine Tragödie: „Ich ging monatelang nicht mehr zur Musikschule.“ Erst eine zweite Lehrerin, Emma Grigorjewna Besrukawaja, deren Ausbildung auf die Wiener Schule zurückging, fand den „Schlüssel“ zu ihr: „Sie weckte in mir die Liebe zur Musik selbst – nicht mehr zum Lehrer.“


Gesunde Rivalität: Wettbewerb als Antrieb

„Gab es Rivalität unter den Schülerinnen deiner Lehrerin?“, frage ich.

„Aus meiner persönlichen Erfahrung heraus glaube ich, dass gesunder Wettbewerb manchen sehr guttut“, sagt Alla. „Meine Konkurrentin Natascha war ebenfalls Steinbock, aber wir waren völlig unterschiedlich: Sie war groß und kräftig, ich eher zierlich. Ich beherrschte eine filigrane Technik, sie eine kraftvolle. Wir waren ewige Rivalinnen und fuhren sogar gemeinsam zum regionalen Wettbewerb in Westsibirien, nach Chanty-Mansijsk. Ich war damals elf und gewann.“ Alla betont jedoch: „Wettbewerb ist ein sehr individueller Faktor. Für manche Schüler kann er motivierend wirken, für andere weniger.“


Fazit: Musik als Geschenk

Alla Gonchars Weg zeigt, wie entscheidend die Begegnung mit der richtigen Lehrerpersönlichkeit sein kann – und wie Musik selbst zum lebenslangen Abenteuer wird. Für sie ist Musik „ein wahnsinniges Vergnügen und eine enorme Bereicherung“. Diese Haltung gibt sie an ihre Schülerinnen und Schüler weiter und prägt damit eine neue Generation von Musikbegeisterten.


Über die Interviewpartnerin:
Alla Gonchar unterrichtet Klavier am Leopold-Mozart-Zentrum der Universität Augsburg. Ihre pädagogische Arbeit ist von großer Leidenschaft und einem tiefen Verständnis für die individuellen Bedürfnisse ihrer Schüler geprägt.

Dieses Interview erschien zuerst im „Deutsch-Russischen Kurier“. Für den Blog adaptiert und ins Deutsche übertragen. Originalquelle: Interview mit Alla Gonchar

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